IAB verweist Mär vom arbeitsunwilligen Hartz-IV-Empfänger ins Reich der Legenden Günther: Bei der Eröffnung von Teilhabechancen sind alle gefragt
Erfurt - Nicht höhere Regelsätze, sondern eine noch konsequentere fallbezogene Ausrichtung der Eingliederungsmaßnahmen und die Eröffnung von Teilhabechancen durch Kommunen und gesellschaftliche Akteure helfen Hartz-IV-Empfängern. Das folgert der arbeitsmarktpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Gerhard Günther, aus dem heute vorgestellten Forschungsbericht "Armutsdynamik und Arbeitsmarkt" des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. "Der Bericht verweist die Mär vom arbeitsunwilligen Hartz-IV-Empfänger ins Reich der Legenden", so Günther.
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Erfurt - Wie die Nürnberger Forscher belegen, ergreifen die Empfänger der Grundsicherung vielfältige Aktivitäten, um Arbeit zu finden. Die Forschungsergebnisse widersprächen dem in Teilen der Öffentlichkeit verbreiteten Bild des passiven Hilfsbedürftigen. Finanzielle Probleme treten der Studie zufolge vor allem bei Langzeitarbeitslosen auf, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich aus den Leistungen der Grundsicherung nach dem SGB II bezögen. Der Hilfsbezug werde sehr unterschiedlich erlebt und biographisch eingeordnet. Vor allem bei langer Abhängigkeit entsteht den Autoren zufolge das Risiko der sozialen Isolation und Selbstisolation.
Dieser Tendenz kann laut Günther nicht einfach mit höheren Regelsätzen begegnet werden, zumal damit für einige Gruppen der Hartz-IV-Empfänger Fehlanreize verbunden sind und das Lohnabstandsgebot immer weiter unterlaufen wird. Um Teilhabe zu organisieren, sind laut Günther alle gefragt. "So könnten etwa Vereine auf zehn Beitrag zahlende Mitglieder einen Bedürftigen aufnehmen, Theater, Zoos, Schwimmbäder oder Museen kleine Kartenkontingente stark verbilligt an Bezieher von Grundsicherung abgeben.
Auch staatliche Förderungen könnten daran gebunden sein, sozial Schwachen Rabatte einzuräumen", nannte der Politiker einige Beispiele. Das in Thüringen mit TIZIAN gespannte Netz der sozialen Verantwortung gehe in die richtige Richtung.
Laut Günther ist es falsch, "beim Thema Armut alleine auf den Staat zu blicken, der bereits ein Drittel seiner Ausgaben für Soziales ausgibt und dessen finanziellen Möglichkeiten ersichtlich erschöpft sind. Solidarität ist eine Angelegenheit, die auch und möglicherweise sogar in erster Linie im gesellschaftlichen Raum gelebt werden muss und bei der es darum geht, die konkreten und höchst unterschiedlichen Problemlagen wahrzunehmen", so der CDU-Landtagsabgeordnete.
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